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GESCHICHTE UND HINTERGRÜNDE

Die Paralympcis in London haben für den Behindertensport neue Maßstäbe gesetzt. Eine Sportveranstaltung der Superlative und zugleich auch ein Hoffnungsschimmer für gesellschaftliches Umdenken.

Die Idee der Paralympics entstand direkt nach dem Zweiten Weltkrieg. Während am 28. Juli 1948 in London die ersten Olympischen Sommerspiele nach dem Krieg feierlich eröffnet wurden, begannen am selben Tag ganz in der Nähe die International Stoke Mandeville Games, die ersten sportlichen Wettkämpfe für Behinderte, in denen sich 16 kriegsversehrte Männer und Frauen im Bogenschießen maßen. Sie sind der Ursprung der heutigen Paralympics.

Gründervater dieser Idee war der deutsche Neurochirurg Sir Ludwig Guttmann, der in der Zeit des Nationalsozialismus nach England geflüchtet war. Er erhielt 1944 den Auftrag der britischen Regierung, das National Spinal Injuries Centre im Stoke Mandeville Hospital aufzubauen. Dort schuf er die heute noch gültigen Grundlagen für die Behandlung Querschnittgelähmter. Guttmann erkannte, dass die Folgen einer Lähmung falsch aufgefasst und behandelt wurden. Er stellte ein Programm der lebenslangen Nachsorge „Comprehensive Care“ auf. Einen besonderen Stellenwert innerhalb des gesamten Behandlungskonzeptes erhielt die frühzeitige aktive Einbindung des Patienten in den Rehabilitationsprozess, um frühzeitig Selbstwertgefühl, Motivation sowie überdauernde Gesundheitskompetenz zu entwickeln. Dabei spielt Sport eine wichtige Rolle, um die durch die Querschnittlähmung gestörten körperlichen, psychischen und sozialen Funktionen zu kompensieren sowie Sekundärschäden vorzubeugen.

Diesem Ziel der Rehabilitation von Querschnittlähmungen folgend war seit Beginn der Paralympischen Spiele Guttmanns wichtigstes Anliegen, die sportlichen Wettkämpfe dergestalt auszubauen, dass sie in ihrer Bedeutung für die behinderten Menschen den Olympischen Spielen gleich kommen sollten.

Bereits 1952 beteiligten sich 130 Sportler aus verschiedenen Ländern an den Stoke Mandeville Games. 1960 war Guttmann quasi am Ziel angekommen: In Rom fanden die ersten Paralympics statt, an denen 400 Athleten aus 21 Nationen (vorerst nur RollstuhlsportlerInnen) teilnahmen. Auch die Palette der Sportarten erweiterte sich ständig: Leichtathletik, Gewichtheben, Schießen, Schwimmen, Tischtennis, Rollstuhlrennen, Rollstuhlrugby und Rollstuhlvolleyball kamen hinzu. Die Spiele sollten mehr sein als eine Sportveranstaltung. Für viele behinderte Sportler, die meisten von ihnen Kriegsveteranen, waren die Wettkämpfe ein Schritt in Richtung Normalität. Sie wollten zeigen, was möglich ist, wollten anderen Menschen Mut machen. Ergebnisse, Platzierungen und Medaillen spielten zwar wie immer im Sport eine Rolle, aber keine ausschließliche.

Die Geschichte der Paralympics war in den folgenden Jahrzehnten wechselhaft und von Rückschlägen begleitet. So weigerte sich beispielsweise das kommerzielle Organisationsteam der Olympischen Sommerspiele von Los Angeles 1984, die „International Games for Disabled“ durchzuführen. Damals wich man kurzfristig mit einer Teilung der Wettkämpfe auf Stoke Mandeville in England und Hempstead nahe New York aus.

Seit den Sommer-Paralympics 1988 finden die Spiele regelmäßig am selben Ort wie die Olympischen Spiele statt. In diesem Jahr wird auch der Begriff „Paralympics“ zum ersten Mal offiziell verwendet. In einem am 19. Juni 1991 abgeschlossenen Abkommen zwischen dem Internationalen Olympischen und dem Internationalen Paralympischen Komitee wurde diese Praxis für alle Spiele ab den Sommer-Paralympics 1992 festgeschrieben.

Seit den Sommerspielen 2012 müssen die Städte, die sich um die Ausrichtung bewerben, die Paralympics von vornherein mit einbeziehen, welche dann vom selben lokalen Organisationskomitee wie die Olympischen Spiele koordiniert werden.

Die Paralympics standen viele Jahre lang im Verhältnis zu den Olympischen Spielen weit weniger in der öffentlichen Wahrnehmung; die Medien berichteten oft nur von einzelnen Leistungen. Live-Übertragungen der zahlreichen Veranstaltungen fanden nur einen sehr kleinen Interessentenkreis und wurden – wenn überhaupt – der Nachfrage entsprechend an untergeordneten Sendeplätzen bzw. Sendezeiten ausgestrahlt. Ein deutlicher Wandel vollzog sich in der Größe der Veranstaltung seit Atlanta 1996, wo erstmals über 3.000 Athleten bei den Paralympics antraten. Es folgte als organisatorische Meisterleistung Sydney im Jahr 2000 (4.000 Athleten) und in Bejing 2008 nutzte China – eine Nation mit 80 Millionen Behinderten – die Paralympics dazu, sich als modernen Staat präsentieren zu können. Mit den Paralympischen Spielen 2012 in London ist die Veranstaltung nicht nur an ihren Entstehungsort zurück gekehrt. In London traten 4200 Athleten aus mehr als 150 Ländern zu den Wettkämpfen an. Nach Auskunft der Veranstalter wurden in London 2.7 Millionen Tickets verkauft. Zum Vergleich: In Bejing waren es noch 1.3 Mio. Tickets, 2004 in Athen 850.000. Es wurde weltweit in den Medien berichtet und die Spiele wurden mit zahlreichen Übertragungen auch zu den Hauptsendezeiten gewürdigt und können mittlerweile als zweitgrößtes Sportveranstaltung nach Olympia eingestuft werden.

Die Paralympischen Spiele sollen Barrieren abbauen, auch in den Köpfen. Menschen mit Behinderung sollen keine Hürden mehr überwinden müssen, um an einem normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

„Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern.“ – Nelson Mandela

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GOLD - DU KANNST MEHR ALS DU DENKST ist vollständig Deutsch untertitelt,
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